Fledermäuse und Insekten

Dr. Andreas Müller, Düsseldorf

Insekten als Nahrung

Die Nahrung aller in Deutschland heimischen Fledermausarten besteht hauptsächlich aus Insekten, aber auch Spinnen- und anderen Gliedertieren. Dabei zeigen die verschiedenen Fledermausarten sehr unterschiedliche Fressgewohnheiten und Jagdstrategien. Manche von ihnen sammeln Käfer und Spinnen vom Waldboden auf, während andere sich auf fliegende Insekten spezialisiert haben. 

Das große Mausohr (Myotis myotis) hält beispielsweise im Flug, knapp über dem Waldboden, nach Laufkäfern, Hundertfüßern, Spinnen und Käferlarven Ausschau, während die Wasserfledermaus (Myotis daubentinii) ihre Nahrung über der Wasseroberfläche von Teichen und Seen fängt. Dabei machen Zuckmücken und Köcherfliegen den Großteil ihrer Nahrung aus. Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) und die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus),unsere beiden kleinsten heimischen Fledermäuse, fressen vor allem Mücken und kleine Fliegen, welche sie mit wendigen Bewegungen, im Schein von Straßenlaternen erbeuten. Dabei können schon mal bis zu 1.000 Mücken pro Nacht vertilgt werden.

Die Jagd im Flug kostet die Fledermäuse sehr viel Energie, weshalb jede Fledermaus täglich zwischen 20 und 50 Prozent ihres eigenen Körpergewichts fressen muss. Bei einer Wasserfledermaus entspricht das beispielsweise einer täglichen Nahrungszufuhr von etwa 3.000 Zuckmücken. Um diese Menge zu erbeuten, führt sie etwa zehn Fangbewegungen pro Minute durch, wie Forscher herausfanden. Bei der Zwergfledermaus, die etwa sechs Gramm wiegt, beträgt die Gewichtszunahme pro Nacht 1,5 Gramm an Insekten. Eine Stechmücke beispielsweise wiegt etwa 0,00225 Gramm, das würde dann 667 Stechmücken pro Nacht und in einer Saison von sieben Monaten über 140.000 Stechmücken bedeuten.

Durch die Insekten und Gliedertiere als Nahrung ist der Kot der Fledermäuse eher porös, trocken und krümelig und enthält oft noch gut zu erkennende Insektenteile, wie Flügeldecken von Käfern oder Beine und Fühler von Schmetterlingen und Fliegen. Dadurch ist der Kot gut von dem der Mäuse zu unterscheiden, deren Kot eher faserig durch die vorhandenen Pflanzenreste ist. Durch die Untersuchung von Kotproben in Gebäuden, Fledermauskästen oder Winterquartieren kann oft bis auf die Art der Fledermaus geschlossen werden, da der Kot der verschiedenen Arten eine unterschiedliche Form, Größe oder Zusammensetzung hat. Da er oft auch Haare der Fledermaus enthält, erleichtert dies die Art-Bestimmung mit Hilfe eines Mikroskops.

Nachtfalter und Fledermäuse

Nachtaktive Falter werden von Fledermäusen gejagt, die sich im Laufe der Evolution perfekt an das Erjagen dieser Schmetterlinge angepasst haben. Sie nehmen Töne von bis zu 120.000 Hertz wahr und orten ihre Beute mittels dieser Ultraschall-Echoortung (oder besser Echoabbildung). Zum Vergleich: Der Mensch hört als Kind Töne von 16 bis 20.000 Hz und als Erwachsener bis zu 12.000 Hz, weshalb Kinder oft noch die tieferen Laute der Fledermäuse hören können. Aber auch Nachtfalter nehmen die Ultraschallrufe der Fledermäuse wahr und fliegen mit schnellen Manövern aus der Flugbahn des Angreifers.

Bei der in Nordamerika beheimateten Tigermotte (Cycnia tenera) konnten Insektenforscher eine raffinierte Strategie feststellen. Eine Fledermausart, das Townsend-Langohr (Corynorhinus townsendii), attackiert den Nachtfalter, dreht oft aber im letzten Moment ab, weil die Tigermotte den Ultraschall des Angreifers wahrgenommen und im selben Moment schnelle Folgen eigener kurzer Ultraschalltöne auf den Feind abgefeuert hat. Dadurch nimmt die Fledermaus zu viele Informationen auf einmal auf, ihr Gehirn kann diese nicht schnell genug verarbeiten und sie muss abdrehen. Auch heimische Nachtfalter der Familie der Eulenfalter (Noctuidae) senden Klicklaute im Ultraschallbereich aus, sobald sie von einer Fledermaus gejagt werden. Diese Laute verwirren die jagende Fledermaus, sodass der Falter entkommen kann. Die Evolution zeigt hier ein ständiges Wechselspiel zwischen den Fledermäusen als Jägern und den Nachtfaltern als Gejagte.

Leuchtkäfer und Fledermäusen

Eine besondere Beziehung habe Forscher 2018 zwischen Fledermäusen und Leuchtkäfern entdeckt. Viele Leuchtkäfer nutzen die Lichtproduktion durch Biolumineszenz zur Partnersuche im Dunkeln. Doch ursprünglich hatte das Leuchten wahrscheinlich eine ganz andere Funktion, es sollte Fressfeinde abschrecken. Die Larven der tagaktiven Vorfahren der Leuchtkäfer signalisierten mit dem Leuchten, dass sie wegen giftiger Substanzen in ihrem Körper ungenießbar sind. Nach dem Übergang zu einer nachtaktiven Lebensweise entwickelte sich dann auch bei den erwachsenen Käfern die Fähigkeit zur Biolumineszenz – und zwar als Schutz vor Fledermäusen. Erst später erhielten die Lichtsignale eine zusätzliche Funktion für die Anlockung des Partners. Fledermäuse lassen die giftigen Leuchtkäfer auch deshalb unbehelligt, weil sie schnell lernen, das Leuchten als Warnsignal zu erkennen, was auch in Versuchen mit Großen Braunen Fledermäusen (Eptesicus fuscus) und Leuchtkäfern der Gattung Photinusbestätigt wurde. Demnach haben wir es den Fledermäusen zu verdanken, dass es überhaupt Leuchtkäfer gibt, die nachts beim Fliegen leuchten.

Fledermäuse und ihre Parasiten

Ein besonderes Verhältnis besteht zwischen Fledermäusen und ihren Parasiten – in erster Linie Insekten und Spinnentiere. Die meisten dieser Mitbewohner sind stationäre Parasiten, die dauernd (permanent) oder nur zeitweise (periodisch) ihre Wirte besiedeln. Ein Wechsel des Wirtes ist oft eingeschränkt, da die Insekten und Spinnentiere flugunfähig sind und sich deshalb nur kriechend fortbewegen können. Blutsaugende Parasiten lösen bei ihren Wirtsfledermäusen Immunreaktionen aus, die wiederum die Parasiten selbst schädigen können. Befallene Fledermäuse, die aus dem Winterschlaf erwachen, haben oft eine stark erhöhte Körpertemperatur vor dem Abflug, sodass die Parasiten aus dem Fell in die Fellspitzen wandern, da ihnen die Temperatur zu hoch geworden ist. Ein häufigerer Schlaf- und Ruheplatzwechsel, gerade im Sommer, kann die Fledermäuse vor einem erhöhten Parasitenbefall schützen. 

Die meisten Parasiten werden in Wochenstuben im Sommer gefunden, wenn die weiblichen Fledermäuse mit ihren Jungtieren in größeren Gruppen zusammen- hocken. Hier wird auch der Wirtswechsel von einer Fledermaus auf eine andere für einen Parasiten erleichtert, da die Fledermäuse eng beieinandersitzen und auch die Umgebungstemperatur hier hoch ist, was die wechselwarmen Parasiten agiler macht. Dies ist auch ein Grund, warum sich in Winterquartieren von Fledermäusen eher weniger Parasiten finden lassen, welche dann in erster Linie aus Flöhen bestehen.

Bei den Insekten sind hauptsächlich Fledermaus-Lausfliegen (Familie Nycteribiidae), Fledermausflöhe (Familie Ischnopsyllidae) und Fledermauswanzen (Familie Cimicidae) in Deutschland zu nennen. Die Wirtsfledermäuse bei denen diese Insekten schon nachgewiesen wurden sind: Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinmus), Mausohr (Myotis myotis), Braunes Langohr (Plecotus auritus), Fransenfledermaus (Myotis natteri), Kleine Bartfledermaus (Myotis mystacinus), Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteini), Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), Zweifarbfledermaus (Vespertilio murinus), Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) und Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus).

Fledermaus-Lausfliegen sind nur wenige Millimeter große, abgeflachte, langbeinige Insekten mit einer eher spinnenartigen Gestalt, die hauptsächlich in den Sommermonaten in Fledermausquartieren auftauchen. Sie saugen das Blut ihrer Wirte und halten sich in deren Fell fest. Die Larven der Lausfliegen werden in den Quartieren der Fledermäuse in Spalten abgelegt, wo sich die Larven dann schnell verpuppen. Zum Ausschlüpfen der Lausfliege aus der Puppenhülle ist dann die Anwesenheit einer Fledermaus in unmittelbarer Nähe nötig, damit die Fliege direkt einen neuen Wirt zur Blutaufnahme hat.. Fledermaus-Lausfliegen können nur kurze Strecken laufen und sich schlecht auf dem Untergrund festkrallen.
Fledermaus-Lausfliege (Penicillidia monoceros)

Fledermausflöhe weisen in Anpassung an die Lebensweise der Fledermäuse einige körperliche Sondermerkmale auf, wie dem Fehlen von Augen und der Ausbildung von Zahnkämmen an Kopf, Brust und Hinterleib der Flöhe, die ihnen einen besseren Halt ermöglichen, wenn sich die Fledermaus in die Luft erhebt. Nur die erwachsenen Flöhe besiedeln den Wirt, während sich die Eier, Larven und Puppen am Boden entwickeln. Die meisten Floharten legen ihre Eier in die Wochenstuben der Fledermäuse, wo sich die Larven vom Substrat am Boden oder auch Blutresten ernähren. Die aus den Puppen schlüpfenden Fledermausflöhe können sehr gut, auch senkrechte Wände hochlaufen, zeigen jedoch nur ein geringes Sprungvermögen.
Fledermausfloh (Ischnopsyllus hexactenus)

Die an Fledermäusen parasitierenden Wanzen gehören zur Familie der Plattwanzen (Cimicidae), zu der auch das bekannteste und gefürchtetste Mitglied gehört, die Bettwanze (Cimex lectularius), die auch bei Fledermäusen vorkommen kann. Fledermauswanzen befinden sich selten direkt an ihrem Wirt, sondern eher in Spalten und Ritzen des Quartiers und kommen gelegentlich heraus, um an ruhenden Fledermäusen Blut zu saugen. Sie können bei einem Mangel an Blut-Wirten auch tage- bis wochenlange Hungerperioden überstehen, um sich dann wieder vollzusaugen. Fledermauswanzen sind sehr mobil und können auch senkrechte Wände hochkriechen, haben aber Probleme an der Decke hängend zu laufen.
Fledermauswanze (Cimex dissimilis)

Bei den Spinnentieren sind die Hauptparasiten der deutschen Fledermäuse Zecken (Familie Ixodidae und Argasidae), Flughautmilben (Familie Spinturnicidae) und Milben (Familie Macronyssidae). Schildzecken der Gattung Ixodes sind recht hart, haben acht Beine und halten sich entweder am Wirt oder in Spalten des Quartiers der Fledermäuse auf. Nymphen und erwachsene Zecken saugen Blut, können aber auch lange Hungerperioden aushalten, bis die nächste Fledermaus das Quartier besucht.

Flughautmilben besiedeln gerne die Arm- und Schwanzflughäute der Fledermäuse und eine Trennung von ihren Wirten überleben diese Milben nur wenige Stunden. Da sie sehr flach sind, können sie sich gut in Anzahl von mehreren Tieren an den Flughäuten festsetzen. Sie legen keine Eier, sondern gebären weit entwickelte Nymphen, die den erwachsenen Tieren schon ähneln und ebenfalls Blut saugen.

Andere Milben, wie die aus der Familie Macronyssidae sind kleine, etwa 1mm große, augenlose Spinnentiere, die manchmal in enormer Anzahl auf Fledermäusen zu finden sind. Sie sind recht agil und die Nymphen entwickeln sich in den Weibchen, wo sie schon recht weit entwickelt dann geboren werden und sich den nächsten Wirt suchen.


Milbe (Macronyssus flavus)

Quellen

Leavall Brian C., Juliette J. Rubin, Christopher J.W. McClure et al 1018: Fireflies thwart bat attack with multisensory warnings. Science Advances 4: eaat6601: 1-6

Scheffler Ingo (2008): Zur Fähigkeit von Ektoparasiten der Fledermäuse ihre Wirte aktiv aufzusuchen. Nyctalus 13(2-3): 177-186

Scheffler Ingo (2009): Ektoparasiten der Fledermäuse in Deutschland – neue Erkenntnisse zur Verbreitung, Ökologie und Bedeutung. Beiträge zur Jagd- und Wildforschung 34: 193-207

Scheffler Ingo (2010): Ektoparasiten der Fledermäuse in Winterquartieren in Brandenburg. Märkische Entomologische Nachrichten 12(1): 119-132

© Text und Zeichnungen Dr. Andreas Müller, Düsseldorf